
Zwei Wochen lang hat mich der Daihatsu Terios “Top S 4WD” im Alltag begleitet, etwas über zweitausend Kilometer habe ich auf den drolligen Montageröllchen zurückgelegt, die im Fahrzeugschein vollmundig als “Räder” bezeichnet werden…und ich muß gestehen: Ein klein wenig fiel es mir schon schwer, den Schlüssel aus der Hand zu geben. Daß ich mit dem grünen Floh eine Menge Spaß hatte, habt Ihr in meinen kleinen Berichten ja zwischen den Zeilen lesen können.
Die Marke “Daihatsu” ist mir im Offroad-Bereich mehr als gut bekannt, seit ich damals mit Romans offenem Wildcat F20 auf dem Hänger zu den DGM-Läufen gezuckelt bin…die Sperre ging nur, wenn ich den Knopf festgehalten habe, wenn in Schräglage der Motor ausging, ging er nicht mehr an und “Leistung” war ein eher abstrakter Begriff. Sehr abstrakt. Das bezog sich nämlich vor allem auf unsere eigene, körperliche Leistung wenn wir bei Steigungen (zum Ausgleich für die gerade mal wieder ausgefallene Sperre) im Rhythmus von links nach rechts schaukelten und dabei im Chor riefen “Oh-ne Spe-rre, oh-ne Spe-rre, oh-ne Spe-rre”…
Es war eine geile Zeit, mit dem weißen F20.


Der gute alte Wildcat kam 1977 nach Deutschland und war ein Frontalangriff auf den legendären Suzuki LJ80. Als “Taft” schon 1974 in Japan vorgestellt, war er meiner Meinung nach auch das weitaus bessere (größere, stärkere) Auto, dennoch blieb er gegenüber dem “Eljot” recht selten und ist es heute noch weitaus mehr.
Meine damalige Meinung hat sich bis heute nicht geändert: Der LJ war eine Schüssel, der Wildcat schon fast ein Auto.
Mit dem Wildcat und den Nachfolgern konnte Daihatsu als ältester japanischer Fahrzeughersteller einiges an Allrad-Kompetenz sammeln und sich im Offroad-Sektor speziell in den 70ern und 80ern durchaus einen soliden Namen in Deutschland machen. Den Nimbus der Zuverlässigkeit konnte sich die Marke jedoch dennoch nicht in dem Maße sichern, wie es dem großen Bruder Toyota gelungen ist. Mag aber wohl schlicht am vergleichsweise geringen Marktanteil liegen.

Daihatsu Taft
1984 löste dann der “Rocky” den Wildcat ab - und er war dann leider auch der letzte “waschechte” Offroader, den Daihatsu gebaut hat, auch wenn die Fans des “Feroza” das jetzt nicht so gerne hören. Letzterer wurde dem Rocky im Jahre 1988 als “kleiner Bruder” zur Seite gestellt und war schon deutlich Richtung Freizeitmarkt orientiert.

Daihatsu Feroza
1997 kam dann der Terios in der ersten Generation - definitiv kein Geländewagen mehr, sondern ein “schlechtwegetauglicher” Kleinwagen mit lifestyle-Ambitionen, dem man die vom Wildcat geerbten Gene nicht mehr ansah.

Terios der 1. Generation
Die aktuelle Version des Terios (intern “J2″ genannt, in einigen Märkten u.a. auch als “Toyota Rush” im Angebot) kam dann im Jahre 2006, ist also auch schon einige Jährchen alt. Zum Ausgleich wurde auf der AMI 2009 ein Facelift vorgestellt - näheres weiter unten und hier.
DER TEST-TERIOS

Die Ausstattung
Der Test-Terios war ein “Top S 4WD”, also die Allrad-Version in der hochwertigen Ausstattungsvariante. Damit war er mit allem ausgerüstet, was der Ausstattungkatalog hergibt - bis auf die Automatik. Was allerdings jetzt auch nicht soooo viel ist. Immerhin gibt es serienmäßig eine Klimaanlage, ein ordentliches Radio mit CD, eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung inkl. Bremsassistent, Stabilitäts- und Traktionskontrolle (VSC + TRC), eine geschwindigkeitsabhängige Lenkung, Frontscheibenheizung und Fensterheber - mehr kann man in diesem kleinen Auto eigentlich nicht wollen, und mehr braucht man auch garnicht.
Motor, Technik, Zubehör
Motorisiert ist der Terios hierzulande grundsätzlich mit einer 1,5-Liter-Maschine (”3SZ-VE”) mit 77 kW und 140 Nm. Das zieht nicht gerade die Butter vom Brot, reicht aber für den Vortrieb vollkommen aus. Unter 80 km/h und speziell in der Stadt und auf kurvigen Wegen macht er sogar durchaus Spaß, der kleine Motor hat nämlich erstaunlicherweise einen angenehm kernigen Ton in den unteren Drehzahlbereichen. So “kernig” anderthalb Liter halt klingen können.
Die 1,3-Liter-Maschine gibt es zum Glück nur auf anderen Märkten…
Dennoch: Ein bißchen mehr Hubraum täten dem kleinen wirklich gut. Abgesehen vom entspannteren Fahrverhalten (vor allem auf der Autobahn, die man ja doch hin und wieder mal nutzt) würde sich das sicherlich auch sehr positiv auf den Verbrauch auswirken. Das Maschinchen ist schlichtweg unterdimensioniert. Und daran wird sich so schnell leider auch nichts ändern. Daihatsu Deuschland hatte lediglich einmal eine Studie Namens “Sport” vorgestellt, die mit 130 PS zwar ausreichend aufgeblasen, jedoch ansonsten genau in die falsche Richtung entwickelt war: Anbauteile ohne Funktion machen die Sache nämlich auch nicht besser.

Das spiegelt allerdings auch die Situation auf dem Zubehörmarkt wider: Das Angebot ist ohnehin extrem dünn, zu allem Überfluß beschränkt es sich auch noch fast ausschließlich auf optische Kinkerlitzchen wie Zierleisten, Auspuffblenden, Chrom-Rammbügel, ausladende Schwellerrohre, Lampenschutzgitter oder Kotflügelverbreiterungen (z.B. von Antec). Unnötigen Krimskrams eben, der die eigentlich schöne Formgebung des Terios in meinen Augen nur verschandelt. Am schönsten sieht er schlicht im Serienzustand aus - und immerhin hat er für sein Design 2006 ja auch den “Red Dot Award” erhalten.
Unter all diesem Zubehör gibt es jedoch kaum etwas auf dem Markt, was einen abseits der Straße wirklich weiterbringen würde - bis auf eine rühmliche Ausnahme: Von Kiessetz und Schmidt gibt es tatsächlich ein Höherlegungskit…jetzt noch anständige Räder drauf und gut ist.

Wie erwähnt gibt es für den Terios auch leider keine Untersetzung, auch nicht im Mutterland Japan. Lediglich die Traktionskontrolle VSC und eine Sperre fürs Zentraldifferential werden angeboten, die zwar für den nötigen Vortrieb sorgen, aber natürlich keinerlei Beitrag zum Thema “langsam und kontrolliert fahren” leisten können…im Gegenteil: Ein LSD bzw. die VSC braucht nunmal bauartbedingt einen Drehzahlunterschied, um überhaupt arbeiten zu können. Das steht dem kontrollierten Fahren nunmal ein wenig entgegen…ich habe das System ein einziges Mal wirklich “riechbar” zum arbeiten bekommen, als ich mit Schmackes bei Regen einen schlammigen Waldweg hochgefahren bin. Angenehmerweise habe ich aber sonst nichts vom Eingriff bemerkt. Dennoch: Eine Untersetzung oder zumindest ein vorgeschalteter “Kriechgang” würde so manche Situation ein wenig entspannen.

Solche Spielchen gehen nur mit ordentlich Gas - und sind somit nicht ratsam, wenn man sein heiligs Blechle heil nach oben bringen möchte
Ebenfalls nicht so schön: Das ABS ist nicht abschaltbar, was mich zwei Mal tatsächlich ein wenig in die Bredouille gebracht hat. Bergab auf schlammigen Wegen ist es nämlich urplötzlich garnicht mehr so lustig, wenn eine Spitzkehre kommt und man unvermittelt mit ABS bremsen muß. Das kann bei einem Allradler eigentlich nicht sein und ich wundere mich wirklich, daß eine solche Funktion immer noch (und häufig!) schlicht nicht integriert wird.

Das Fahrwerk macht nach meinem Empfinden einen außerordentlich guten Job: Auf und abseits der Straßen hatte ich nie ein ungutes Gefühl, jederzeit ließ sich der Allrad-Zwerg sauber und kontrolliert bewegen. Das Fahrverhalten ist ausgesprochen gutmütig und vorhersehbar, was natürlich auch an der starren Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 50:50 liegt.
Und über den Spaß auf engen, kurvigen Landstraßen, in der Stadt oder in Wald und Feld habe ich wahrlich schon genug geschrieben. Nur eine Info fehlt noch: Der Wendekreis beträgt 9,8 Metern.

Der Preis
Den Terios gibt es als 2WD oder 4WD, und das jeweils in zwei Ausstattungsvarianten. Ohne jetzt alle Features aufzuzählen: Die Preise reichen dabei von 15 tsd. Euro als 2WD “Basisversion” bis 21.500 Euro in der Version “Top S 4WD”.
Das ist - ehrlich gesagt - eine ganze Menge für so ein kleines Auto.
Die Aussicht
Nachdem es den Terios nun schon seit 2006 in dieser Form gibt, war ein Facelift oder eine deutliche Überarbeitung schon fast abzusehen…und wirklich: Daihatsu wird morgen früh (also am 27.03.2009) auf der AMI in Leipzig das neue, technisch und optisch (leicht) überarbeitete Modell vorstellen. So gibt es z.B. jetzt auch eine Klimaautomatik, eine neue elektrische Servolenkung und ein paar andere kleine Anpassungen, die den Kraftstoffverbrauch um bis zu 0,8 Liter senken sollen - bei den von mir gefahrenen Verbräuchen zwischen 7,5 und 11,5 Litern ist das nicht wirklich der Rede wert. Aber immerhin hat das Radio jetzt einen AUX-Eingang und läßt sich über schicke Knöpfe am Lenkrad steuern…

Im großen und ganzen ist das eine leichte Modellpflege - ich vermute, daß ein ganz neues Modell schon in der Entwicklung ist und wohl die nächsten zwei, drei Jahre auch kommen wird.
DAS GEFÄLLT:
- klein, wendig, macht Spaß!
- unaufgeregtes, gutmütiges und sicheres Fahrverhalten on- und offroad
- angenehm dimensionierte Bremsanlage
- saubere Verarbeitung, der Klasse und dem Preis angemessen
- erstaunlich viel Platz im Innenraum
- ausreichend Kofferraum, bei umgeklappten oder ausgebauten Rücksitzen sogar ordentliches Ladevolumen
- bis 60 km/h hat der Motor durchaus eine nette Charakteristik
DAS MISSFÄLLT:
- der Preis ist ein Stückchen zu hoch für das bißchen Auto
- der Verbrauch ist definitiv zu hoch
- wenn schon Elektronik, dann dürfen die Fensterheber auch eine Automatik fürs hochfahren haben - und den Sendersuchlauf am Radio könnte man auch noch verbessern
- das ABS ist nicht abschaltbar - unschön und durchaus gefährlich in Wald und Feld
- lacht ruhig über mich…aber wieso hat die Hecktür keine Griffmulde zum zuziehen? Die Fingerspuren am Rand der Heckscheibe sind irgendwie nicht so schön.
- auf der Autobahn macht er definitiv keinen Spaß - ist aber kein Mangel, denn dafür wurde er schließlich auch nicht gebaut
DAS NERVT:
- Dieses elendige Gebimmel als Hinweis auf die Gurtpflicht - es nervt, es nervt, es nervt. Und zwar unglaublich. Im PKW-Bereich mag das noch halbwegs akzeptabel sein, nicht jedoch in einem Geländewagen, den ich abseits der öffentlichen Straßen in bestimmten Situationen auch mal ohne Gurt bewegen möchte, und sei es nur in der Tiefgarage oder auf meinem Grundstück.
DAS WÜNSCHE ICH MIR:
- ein “Schlechtwegepaket” mit leichter Höherlegung und anständigen Reifen (215/70-16 würden ja schon reichen) ab Werk
- eine Geländereduktion oder zumindest einen Kriechgang
- einen Schalter “ABS aus”
- einen einfachen Handgriff zum kompletten Ausbau der Rücksitze
- ein Wasserglas mehr Hubraum als Option…dadurch würde der Terios noch ein wenig mehr Spaß machen, souveräner wirken und sicherlich auch deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen
FAZIT:
- Der Terios ist eine außerordentlich runde Sache! Konzept und Ausführung passen perfekt zusammen und der kleine Hüpfer tut exakt das, was er soll - unaufgeregt und ohne Zicken bringt er seine Ladung von A nach B, auch wenn B am Ende übelster Feld-, Wald- oder Schlammwege liegen sollte. Der Terios ist kein “Offroader”, natürlich. Will er auch garnicht sein. Dennoch stimme ich mit der der von Daihatsu vorgegebenen Ausrichtung nicht überein: Er ist definitiv kein reines Lifestyle-Fahrzeug, das ausschließlich in der Stadt bewegt werden kann. Der Terios kann weitaus mehr. Und mir hat gerade dann einen Höllenspaß gemacht, wenn ich ihn abseits des Asphalt bewegt habe.
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