Sooo…zwei Stunden und 150 km Stadt, Land, Autobahn später bin ich wieder wohlbehalten zurück.
“Und? Wie isser nu?”
Ein-wand-frei…er hat die Fahrt klaglos überstanden…
Nein, im Ernst: Der Urban Cruiser ist ein feines, kleines Autochen, das ein paar schöne Eigenschaften nett miteinander kombiniert. So ist er in den Außenabmessungen kompakt und nutzt gleichzeitig den innen zur Verfügung stehenden Platz super aus: Man hat ein erstaunliches Raumgefühl in dem kleinen Ding, alle Achtung. Das liegt sicher auch am dezenten Armaturenbrett und der unaufdringlichen Gestaltung, die den ganzen Innenraum recht leicht erscheinen läßt. Allerdings hat das (aus meiner Sicht) auch den kleinen Nachteil, daß es sich alles andere als wohnlich anfühlt - ein rollendes Wohnzimmer ist es sicher nicht, aber das ist Geschmackssache.
DAS wiederum gefällt mir: AUX-Anschluß serienmäßig!
Was mir gefällt, ist die Kombination aus Motor, Antrieb, Fahrwerk: Der kleine Diesel entwickelt ab 2.500 Umdrehungen eine enorme Power und ist bis 4 tsd. Umdrehungen auch richtig spritzig (auch wenn er hubraumbedingt ein deutliches Turboloch und eine kleine Anfahrschwäche hat…ich habe ihn natürlich erstmal abgewürgt, logisch). Das Fahrwerk mit der McPherson-Vorderachse ist straff und sportlich, aber nicht zu hart - und trotz hohem Schwerpunkt läßt sich der kleine Cruiser locker mit Schmackes durch die Kurven ziehen, ohne groß rumzuzicken. Zum agilen Handling-Gefühl trägt auch die elektrische und geschwindigkeitsabhängige Servolenkung bei: So soll Elektronik funktionieren, nämlich unauffällig und präzise. Wenn man sie nicht bemerkt, hat sie ihren Zweck erst richtig erfüllt.

Der größte Trumpf ist natürlich ohne Frage der Allradantrieb: Damit positioniert sich Toyota endlich auch mit einem allradgetriebenen kompakt-PKW im Markt - und profitiert dabei natürlich von dem mehr als reichen Erfahrungsschatz aus allein 20 Millionen verkauften Fahrzeugen der Modelle Land Cruiser, Hilux, RAV4 - weitere Allrad-Modelle (wie z.B. den ebenfalls enorm erfolgreichen HiAce) nicht mitgezählt. Die Zahl spricht ohne Zweifel für sich: Wer sich seit Jahrzehnten mit Geräten fürs ganz Grobe im Allradmarkt tummelt, für den ist ein kleiner Allrad-PKW eher eine Fingerübung.
Und so hat Toyota hier auch alles verbaut, was derzeit bei ihnen angesagt ist: Den “Aktiven Allradantrieb ATC 4WD“. Das heißt konkret: Das System ist mit der Antriebsschlupfregelung vernetzt und variiert die Antriebskraft-Verteilung je nach Fahrzustand und Straßenverhältnissen stufenlos zwischen 100:0 (reiner Frontantrieb) und 50:50. Beim Beschleunigen oder Anfahren auf glatter oder rutschiger Fahrbahn sorgt die elektronisch gesteuerte Kupplung vor dem Hinterachsdifferenzial für eine gleichmäßige Verteilung der Antriebskraft auf alle vier Räder, in engen Kurven gelangt weniger Drehmoment an die Hinterräder (um ein Ausbrechen zu verhindern) und beim Bremsen wird der Hinterachs-Antrieb vollständig deaktiviert, damit eine optimale ABS-Funktion sichergestellt werden kann. Alles in allem gesehen ist das ein ganz schön ausgetüfteltes System - und es funktioniert wie erwähnt reibungslos und unauffällig.
Um den Kraftstoffverbrauch zu senken, wird die Hinterachse unter normalen Fahrbedingungen nur angetrieben, wenn die Traktionsverhältnisse es erfordern. Aber: Der Allradantrieb kann auch über einen Schalter manuell aktiviert werden, in diesem Fall ist die Verteilung grundsätzlich 50:50. Ab einer Geschwindigkeit von 40 km/h schaltet sich dann automatisch wieder die stufenlose Antriebskraft-Verteilung ein. Darüber hinaus können das zentral-Diff gesperrt und das Stabilitätsprogramm manuell deaktiviert werden.

Der Verbrauch hält sich allerdings im Testfahrzeug nicht so ganz an die Vorgaben aus der Presseabteilung: Das Testfahrzeug zeigte einen Schnitt von 6,6 Litern an, wobei das sicherlich auch nicht repräsentativ ist: Die Hälfte der Strecke steckte ich im Stau, die andere Hälfte habe ich ihm auf den Hals getreten…wenn man hinzurechnet, daß der gute ja noch ein nicht eingefahrener Neuwagen ist, dürften unter 6 Liter bei gediegener Fahrweise durchaus realistisch sein. Ob es tatsächlich unter 5 geht, kann ich nicht beurteilen. Fest steht aber auch, daß er sich (wie alle hochgezüchteten Kleinwagen mit Mini-Motörchen) bei konstant über 100 km/h deutlich mehr genehmigt…

…über 8 Liter bei gemächlichen 100 auf der Autobahn…
Der 1,4-Liter Turbodiesel ist übrigens - TUSCH! - darüber hinaus auch mit einem sogenannten “Ölwechselintervall-Management OMMS” ausgestattet, das kontinuierlich den Betriebszustand des Motors überwacht, um daraus ein optimales Ölwechselintervall zu berechnen…nicht schlecht, Herr Watanabe, nicht schlecht…
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