Land Cruiser HZJ79 “Maltec”: Das Fazit
Im ersten Moment mag man ein wenig überrascht sein, wenn Malte Asmus mit seinen gerade mal 24 Jahren und seiner lockeren Art auf einen zu zukommt: “Was denn…dieser Jungspund baut Expeditionsfahrzeuge?”
Dabei muß man allerdings wissen, daß “dieser Jungspund” schon mehr Offroad-Erfahrung als manch anderer gesammelt hat, sei es als Motocrosser in der frühen Jugend, bei Touren und Rallyes in Nordafrika, Teilnehmer bei GORM oder Breslau, Fernreisen bis nach China, als Mechaniker bei Spector in den USA oder, zuletzt, beim Cruiser-Spezialisten IAV Berg in Iserlohn. Es steckt also auch tatsächlich was dahinter, nicht zuletzt auch sein neuer Partner: Rolf Krause ist in der Szene ein Begriff, beschäftigt sich seit gefühlten Ewigkeiten mit Fahrzeug(leicht)umbauten und bereichert nun das neue Unternehmen mit seinem Know-How.
Ziel des Maltec-Teams ist sicher nicht die übliche “Fahrwerk- und Auspuff-Tauscherei”: Hier sollen Fahrzeuge geschaffen werden, die konsequent auf die (sehr speziellen) Kundenwünsche zugeschnitten sind und dabei jedoch nie ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verlieren. Keine Stückelei, sondern Konzepte sollen hier ihre Umsetzung finden.
Und das haben sie in diesem Fall definitiv geschafft: Sie haben ein Fahrzeug auf die profilierten Reifen gestellt, das vom ersten Moment an echten Nutzwert ausstrahlt und als rundes Konzept überzeugt. Ich konnte nichts überflüssiges finden, nichts als “Firlefanz” identifizieren. “Nimm mich und fahr um die Welt”, ruft dieser Cruiser einem zu, und das permanent und sehr, sehr eindringlich…
Das Fahrwerk, die Reifen, der Motor, die Kabine: Alles ist sinnvoll und in der Summe aufwändig, aber für sich betrachtet keinesfalls übertrieben. Es ist gleichsam die Traumlösung: “Mach es gut, mach es sinnvoll, der Preis spielt keine Rolle”. Letzterer dürfte übrigens nicht eben gering ausfallen: Malte hat sich dem Kunden zuliebe nicht explizit dazu ausgelassen, aber wenn ich die Änderungen und Teile im Hinterkopf spontan übeschlage, komme ich auf lockere 100 - 120 tsd. Euro. Alleine Motor, Getriebe, Umbau kommen auf gut und gerne 25, das Basisfahrzeug schlägt mit 40 zu Buche, die leere Kabine mit 15. Ausbau, Fahrwerk, Alcoas, Reifen, Zubehör, vollelektrische Sitze, Car-PC, Hifi-Anlage, 3 Diesel- und 2 Wassertanks, Standheizung…es kommt eine Menge zusammen, wenn man im Spielwarenladen den Wagen nach Lust und Laune vollpacken kann.
Auch im Detail macht das ganze Spaß: Seien es die dezenten LED-Rückleuchten an der Kabine, die “Tim Tailor”-Werkzeugtaschen als Ablagen an den Türen, die extra angefertigten Gummis unter der Kabine (mit adäquat zu den vorhandenen Originalgummis angepasster Kennung) oder die Dieselpumpe mit Möglichkeit zum externen zu- oder abtanken: Man sieht, daß sich hier jemand Gedanken gemacht hat. Das zeigt sich auch an der Kabine und im Innenausbau, die beide extrem sauber gearbeitet sind. Die Aufteilung ist Kundenwunsch und kann deshalb nicht Grundlage der Beurteilung sein, Ausführung, Stabilität und Funktion machen jedoch einen sehr guten Eindruck.
Die Details sind es allerdings auch, die dem genauen Betrachter einen Wermutstropfen bescheren: An der einen oder anderen Stelle nämlich genügt das Finish nicht ganz den Ansprüchen, die man an ein Fahrzeug in diesem Preissegment stellen würde. Hier wurde ein Profil schnell an der Schleifbank angefast, dort (am Zusatztank oder am Balg zwischen Kabine und Führerhaus) ein wenig zu viel mit Sikaflex rumgeschmiert. Die Kabel wurden ohne Scheuerschutz durch den Ausbau verlegt, an den Lautsprecher-Verschraubungen Marke “Kniespalter” habe ich mir den Haxen derartig angeschlagen, daß ich Malte spontan laut und vernehmlich verflucht habe - und die eine oder andere Schweißnaht…nun ja, das könnte man auch schöner machen. Auch die Maß-Striche würde ich in der Abnahme nur ungern sehen, das kann man vor der Auslieferung auch noch schnell saubermachen. Und die Verschraubung der Funkantenne auf dem Kotflügel zum Beispiel würde ich (der ich mein altes Buschtaxi betreffend bekanntermaßen ein leidenschaftlicher Pfuscher bin) so sicherlich nicht hinnehmen.
Die Funktionalität, Sicherheit, Haltbarkeit berührt das natürlich nicht im geringsten - aber es ist einfach nicht so schön, wie es sein könnte. Will heißen: Das sind Luxus-Sorgen, natürlich. Aber wenn ich den Preis einer kleinen Wohnung aus der Portokasse nehme, erwarte ich auch bei solchen Kleinigkeiten absolut saubere Arbeit.
Malte hat sich übrigens diese kleinen Kritikpunkte angehört und sofort entschieden, das Fahrzeug nicht direkt zum Kunden, sondern erstmal zurück in die Werkstatt zu fahren, um eben diese Kleinigkeiten auch noch auszumerzen. Das ist professionell, so muß das sein.
Aber kommen wir wieder zum Wesentlichen zurück: Fahrtechnisch ist das ganze ein Traum. Der Motor stellt jederzeit ausreichend Leistung bereit, ohne jedoch überzüchtet oder brachial zu wirken. Logisch, es ist schließlich der unbehandelte original-HD-T aus dem J8 und keine auf Teufel-komm-raus nachbehandelte Maschine. Das Fahrwerk benimmt sich unaufgeregt und ausgewogen, gibt dem Fahrzeug auf der Straße eine außerordentliche Exaktheit und stellt im Gelände genügend Freiraum zur Verfügung. Nur die angesprochene “Hoppelei” nervt bisweilen ein wenig, aber vielleicht kann das ja noch korrigiert werden. Und insgesamt wirkt das ganze Fahrzeug angenehm leicht, spritzig und spielerisch. Er macht schlicht und ergreifend Lust auf mehr. Man ist ständig versucht vom Asphalt runterzukommen, und das ist schonmal ein gutes Zeichen. Die Optik tut da ihr übriges: Mit Fahrwerk, Reifen und schlichter Kabine macht er einen derart ausgewogenen Eindruck, daß ich mir immer wieder vor Augen halten mußte, sogar mit einigen cm mehr Radstand unterwegs zu sein als im guten alten 75er.
Sprich: Dieser Cruiser macht einfach tierisch Spaß!
DAS GEFÄLLT:
- Kein Fahrzeug von der Stange - hier wurde individualisiert, jedoch ohne zu verfälschen
- Nette Ideen und Details
- Bis auf Kleinigkeiten saubere Verarbeitung (vor allem der Innenausbau)
- Der Motor ist ein Traum…
DAS MISSFÄLLT:
- An den Kleinigkeiten müssen die Jungs noch ein wenig feilen, bei dieser Preisklasse muß eben auch das Detail 100%ig stimmen. “Schnellschnell”-Lösungen (beim Finish, bei Kabeldurchführungen u.ä.) gehen einfach nicht.
- Die Dämpfer sind ein bißchen zu straff für mein Gefühl, aber daran werden sie sicher noch arbeiten.
- Alles andere hat mir nicht zu mißfallen, da es speziell auf einen Kunden zugeschnitten wurde und seinen Wünschen entspricht. Anderer Kunde - andere Ausführung.
DAS NERVT:
- Daß ich ihn wieder abgeben musste…
DAS WÜNSCHE ICH MIR:
- Hundertzwanzigtausend Euro und 12 Monate Urlaub.
FAZIT:
- Ein tolles Basisfahrzeug wurde massiv, aber mit Sinn fürs Wesentliche verändert. Der Charakter des Fahrzeugs wurde dabei sauber herausgearbeitet: Die Änderungen passen zu Fahrzeug und Einsatzzweck, Maltec hat da ein stimmiges Konzept hingelegt. Wenn ich mir in Gedanken ein Fahrzeug für die Weltreise zusammenbasteln müsste: So ähnlich würde es tatsächlich aussehen.
Wenn Maltec dieses Konzept konsequent weiterverfolgen, sich auf hochwertige Fahrzeugumbauten beschränken und nicht mit Firlefanz verzetteln, dann sind sie sicherlich auf dem richtigen Weg und eine Bereicherung für den Markt.
Kontakt:
Maltec Leichtbautechnologie
Lötscher Weg 60
41334 Nettetal
Ansprechpartner: Malte Asmus
Tel. 02153-1217425
Fax 02153-1217426
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www.maltec.org
Tags: Toyota Land Cruiser















